Dezember 2014

                                                                                             

 

Dieser Artikel wurde aus der aktuellen VdK Zeitschrift abgedruckt

VdK-Zeitung  November 2014

Die meisten Arztpraxen sind nicht barrierefrei        

Menschen mit Behinderung wird der Zugang erheblich erschwert – Sozialverband VdK fordert bauliche Verbesserungen

Wer mit einer Behinderung lebt und zum Arzt muss, bekommt oft schon vor der Eingangstür ein Problem. Denn die meisten Arztpraxen in Deutschland erfüllen nicht die Anforderungen der Barrierefreiheit. Für den Sozialverband VdK ein weiteres Beispiel dafür, dass die Teilhabe von Menschen mit Behinderung noch lange nicht im Alltag angekommen ist. 

Rollstuhlfahrer vor der Arztpraxis       

                                                              (c) www.muskelkranke-hessen.de

"Menschen mit Behinderung stehen leider oft im gesellschaftlichen Abseits", kritisiert VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Nach wie vor gebe es zu viele Barrieren, die es ihnen unmöglich machen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das gelte auch für den Zugang zu Arztpraxen. Dabei sei dieser gerade für all jene wichtig, die aufgrund einer Krankheit oder Behinderung öfter einen Arzt aufsuchen müssen.

Laut "Teilhabebericht der Bundesregierung zu den Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen" ist die Anzahl der Arztbesuche bei diesen deutlich höher als bei jenen ohne Behinderung. Demnach holt sich jeder fünfte Erwachsene mehr als zwölfmal pro Jahr ärztlichen Rat ein. Für sie ist es oft eine große Herausforderung, Barrieren auf dem Weg zum Arzt zu überwinden. So kann es passieren, dass sie gar nicht bis in den Warteraum kommen. Denn laut Teilhabebericht verfügen nur 22 Prozent der Arztpraxen für Allgemeinmedizin über einen ebenerdigen beziehungsweise für Rollstühle geeigneten Zugang oder einen Aufzug.

Am besten sieht es noch bei den Radiologen aus, bei denen gut jede dritte Praxis als barrierefrei eingestuft wird. Am schlechtesten schneiden Zahnmediziner und Kieferchirurgen ab: Nur 15 Prozent ihrer Praxisräume sind laut Teilhabebericht der Bundesregierung für Rollstuhlfahrer erreichbar. Auch Parkplätze für Menschen mit Behinderung, leicht zugängliche Toiletten oder spezielle Untersuchungsmöbel sind in Arztpraxen eher selten anzutreffen. Diese bieten im Durchschnitt nicht einmal zehn Prozent aller Praxen an.

Es fehlt an vielem

Schlechte Voraussetzungen für die fast zehn Millionen Menschen, die mit einer Behinderung leben. Denn sie erwarten von ihrem Arzt neben der besten medizinischen Versorgung auch eine barrierefreie Ausstattung. Das fängt beim Zugang zur Praxis an, reicht über spezielle Untersuchungsmöbel, sanitäre Anlagen und geht bis zu Gebärdendolmetschern für gehörlose Menschen.

Der Zugang zu Arztpraxen ist in den Bauordnungen der Bundesländer geregelt. Meist ist dabei vorgesehen, dass bei Neubauten die Praxen ohne Barrieren erreichbar sein müssen. Die Bundesregierung will sich nun dafür stark machen, dass bis zum Jahr 2020 auch bestehende Arztpraxen zunehmend barrierefrei zugänglich werden, so wie dies im Nationalen Aktionsplan zur UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben ist.

"Das darf keine unverbindliche Absichtserklärung bleiben, sondern muss in die Tat umgesetzt werden", fordert die VdK-Präsidentin. Wichtig seien beispielsweise Fördermöglichkeiten für den Umbau bestehender Praxen.

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